
Zoll-Updates 2026/2027: Neue Verfahren, Korridorverkehr und Fahrplan im Überblick
Die Zollabwicklung im Warenverkehr zwischen der EU und der Schweiz befindet sich in einem Wandel. Neue digitale Systeme, der Ausbau des gemeinsamen Korridorverkehrs sowie strukturelle Änderungen an den Grenzzollstellen prägen die kommenden Jahre. Unternehmen, die regelmäßig Waren über die Grenze transportieren, sollten sich frühzeitig mit den neuen Zollverfahren vertraut machen.
Dieser Beitrag gibt einen kompakten Überblick über die aktuellen Zoll-Updates, die wichtigsten Verfahren sowie den Fahrplan bis 2026/2027.
Digitale Ausfuhrverfahren: Österreich und Schweiz vollständig umgestellt
AT-Ausfuhr über AES (Automated Export System)
In Österreich wurde die Ausfuhrabwicklung im 4. Quartal 2025 erfolgreich auf AES umgestellt. Das Automated Export System ersetzt das bisherige e-zoll Export (ECS) und ist vollständig in das Austrian Customs Clearance System (ACCS) integriert. Über AES erfolgen nun die digitale Ausfuhranmeldung, die Ankunftsmitteilung sowie der Ausgangs- bzw Austrittsvermerk.
CH-Ausfuhr über Passar
Auch in der Schweiz wurde das Ausfuhrverfahren modernisiert. Passar ersetzt e-dec vollständig. Mit dem Ende der Übergangsfrist müssen alle Exportanmeldungen verpflichtend über Passar eingereicht werden. Passar ist Teil des neuen Warenverkehrssystems des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) und bildet die Grundlage für digitalisierte Zoll- und Grenzprozesse.
Gemeinsamer Korridorverkehr: Effiziente Alternative zur klassischen Grenzabfertigung
Der gemeinsame Korridorverkehr ist ein zentrales Element der neuen Zollstrategie im Warenverkehr zwischen der EU und der Schweiz bzw. Liechtenstein. Er ermöglicht eine digitale, papierlose Abwicklung und reduziert die Belastung an stark frequentierten Grenzzollstellen – insbesondere im Raum Vorarlberg. Ziel ist es, den Grenzübertritt zu beschleunigen (“No-Stop-Prinzip”), die Zollprozesse von den Grenzzollstellen hin zu zugelassenen Warenorten zu verlagern und somit die Verkehrsinfrastruktur an den (Grenz-) Zollstellen zu entlasten und die Abwicklung zu beschleunigen.
Warenort-Korridor – Ausgang (AT → CH)
Der Warenort-Korridor – Ausgang wird für den Versand von Waren Vorarlberger Exporteure angewendet. Die Ausfuhr + Einfuhr wird bereits vor Fahrtbeginn digital an einem zugelassenen Warenort in Vorarlberg (z.B., Lager oder Betriebsstandort) angemeldet. Beim Grenzübertritt erfolgt die automatische Erfassung des Fahrzeugs via Kamera, womit die Ware als aus dem Zollgebiet der EU ausgeführt gilt.
Rollender Korridor – Ausgang (EU → Vorarlberg → CH)
Der rollende Korridor – Ausgang kommt zum Einsatz, wenn Waren irgendwo in der EU versendet (zB. Deutschland, Italien) und über Vorarlberg in die Schweiz ausgeführt werden. Der rollende Korridor ermöglicht damit eine durchgängige, digitale EU-Ausfuhr ohne klassische Grenzabfertigung.
Warenort-Korridor – Eingang (CH → AT)
Beim Warenort-Korridor – Eingang kommen Waren aus der Schweiz oder Liechtenstein nach Vorarlberg, ohne an der Grenze abgefertigt zu werden. Nach dem Grenzübertritt fährt das Fahrzeug direkt zu einem zugelassenen Warenort in Vorarlberg, dort erfolgt die Ankunftsanzeige, der Korridorverkehr wird abgeschlossen und anschließend die Zollanmeldung im Zollgebiet der EU abgegeben.
Transit-Eingang (Versandverfahren NCTS 5)
Für Waren im Versandverfahren (NCTS 5) gilt ab 01.01.2026 eine wesentliche Neuerung: Eine digitale Voranmeldung für den Transit-Eingang über österreichische Grenzzollstellen wird verpflichtend. Ohne diese Voranmeldung ist kein automatischer Grenzübertritt mehr möglich. Nach der erfolgreichen Anmeldung und Prüfung erfolgt der Grenzdurchgang automatisiert mittels Kennzeichenerkennung zum nächstgelegenen Warenort. Dieses Verfahren betrifft ausschließlich Transitware, nicht Import- oder Exportvorgänge.
Border Crossing Light: Technische Basis für den digitalen Grenzübertritt am AT-Zoll
Im Zuge des Projekts Border Crossing light werden die Österreichischen Grenzzollstellen an der Vorarlberg–Schweiz-Grenze mit LPR-Kameras zur Kennzeichenerkennung ausgestattet. Über Wechselverkehrszeichen erhält der Fahrer Informationen zum Status der Zollanmeldung. Die Umbauarbeiten sind für das erste Halbjahr 2026 vorgesehen und bilden die technische Grundlage für den weiteren Ausbau der Korridorverfahren.

Die Ausstattung der Schweizer Grenzzollstellen mit Kamerasystemen befindet sich derzeit in Planung. Der digitale Grenzübertritt wird vom Schweizer Zoll aktuell über die Activ App abgewickelt.
Vorausschau 2026/2027: Das ändert sich an der Grenze
Die kommenden Jahre bringen weitere strukturelle Änderungen:
- Ab ca. Mitte 2026
Ende der Güterabfertigung an den Grenzzollstellen, einschließlich Amtsplatz Wolfurt (Ausnahmen bleiben) - Ab ca. Mitte 2026
Ende des Laufzettelverfahrens EX-Wolfurt - Ab Mitte/Ende 2026
Umstellung der österreichischen Einfuhr auf AIS (Automated Import System) - Ab ca. 2027
Umstellung der Passar-Einfuhr als elektronisches Einfuhrsystem der Schweiz
Die neuen Zollverfahren bringen mehr Digitalisierung, schnellere Grenzübertritte und eine klare Verlagerung der Prozesse weg von der Grenze. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Voranmeldungen, Systemanbindungen und Prozesskenntnis.
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